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18. Jahrestag des Anschlags in der Keupstraße

Der Artikel wurde erstmals am 13.06.2022 auf der neuen Seite der mbr Köln veröffentlicht.

Vor 18 Jahren, am 9. Juni 2004, explodierte in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe. Dabei wurden über zwanzig Menschen verletzt. Genau ein Jahr später, am 9. Juni 2005, wurde İsmail Yaşar in Nürnberg ermordet. Bereits am 19. Januar 2001 war im Geschäft einer iranischstämmigen Familie in der Kölner Probsteigasse eine Bombe explodiert. Die damals 19-jährige Tochter überlebte den Anschlag nur schwerverletzt.

Alle Anschläge waren Teil der Serie des Nationalsozialistischen Untergrunds, der aus rassistischer Motivation deutschlandweit Anschläge verübte und Menschen mit internationaler Familiengeschichte ermordete. Mindestens zehn Menschen fielen diesem neonazistischem Netzwerk in den Jahren von 2000 bis 2007 zum Opfer. Ein rassistischer Hintergrund wurde damals ausgeschlossen. Stattdessen wurde bei den polizeilichen Ermittlungen zur Mord- und Anschlagsserie des NSU vornehmlich im Umfeld der Betroffenen ermittelt. So wurden die Opfer in der öffentlichen Wahrnehmung zu Tätern. Erst mit der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 wurden die Mordopfer, die Überlebenden der Anschläge und ihr Umfeld als Opfer rassistischer Gewalt anerkannt.

In Köln gab es am diesjährigen Jahrestag mehrere Veranstaltungen:

Um 15 Uhr wurde im Foyer des Schauspielhauses, Schanzenstraße 6-20, ein erster, von der Stadt Köln finanzierter Film „Die Perspektive der Direktbetroffenen des Nagelbombenanschlages am 09.06.2004 – Interviews mit Zeitzeug:innen und Überlebenden“ gezeigt.

Um 15.56 Uhr, dem Zeitpunkt, als die Bombe explodierte, gab es eine Gedenkfeier der IG Keupstraße am Ort des Anschlages (Keupstraße 29).

Um 18 Uhr fand eine Kundgebung der Initiative „Herkesin Meydanı — Platz für Alle“ an der Ecke Keupstraße/Schanzenstraße statt. An dieser Stelle soll ein Lern- und Erinnerungsort entstehen. Der Zeitpunkt kann derzeit noch jedoch nicht benannt werden. Bereits 2016 wurde dazu ein vom NS-Dokumentationszentrum koordinierter Wettbewerb durchgeführt. In einem dialogischen Verfahren, in das die Opfer eingebunden waren, wurde der Entwurf des Künstlers Ulf Arminde einstimmig ausgewählt. Gebaut werden soll eine Bodenplatte aus Beton in demselben Maß wie die Grundfläche des Friseurgeschäftes, vor dem wir hier stehen. Mit einem WLAN-Netzwerk vor Ort und einer App können Besucher und Besucher*innen auf dem Smartphone oder Tablet ein virtuelles Gebäude entstehen lassen. Die Wände bestehen aus Filmen.

Bedauerlicherweise kam es in der Frage des Standorts für das Denkmal zu einem mehrjährigen Stillstand. Erst ein Eigentümerwechsel des Grundstücks macht die Verwirklichung am gewünschten Standort möglich.

Das Denkmal wird ein Kunstwerk sein, das von der Keupstraße und der Stadtgesellschaft mitgestaltet werden kann. Es soll nicht nur ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern rechten Terrors sowie den Betroffenen von Rassismus und Diskriminierung. Es soll die Botschaft vermitteln: Alle Menschen, die in Köln leben, gehören dazu und sind Teil einer vielfältigen Stadtgesellschaft.

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