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Rassistisches Agenda-Setting der Jungen Alternative NRW

Der Artikel wurde erstmals am 12.08.2022 auf der neuen Seite der mbr Köln veröffentlicht.

Anfang Juli 2022 stellte die Junge Alternative (JA) NRW den sogenannten „Randalemelder“ vor. Hierbei handelt es sich um eine Plattform, auf der jede*r anonym „Freibadrandale“ melden kann. Anschließend werden diese Meldungen in einer Karte markiert und somit einsehbar. Bei den gesammelten Vorfällen handelt es sich primär um Medienberichte, die ein rassistisches Narrativ (eine politische Erzählung) bedienen sollen. Diese Erzählung lautet: Freibäder in Deutschland seien aufgrund migrantisierter Gewalttäter zu „Orte des Schreckens“ geworden. Dazu passend veröffentlichte die JA Berlin ein Video, laut dem man sich vor einem Freibadbesuch mit Kettenhemd und Militärhelm ausrüsten müsse. Das Video wurde von der JA NRW geteilt.

Die auf dem „Randalemelder“ gesammelten Berichte geben tatsächlich oft gar nicht viel her – durch das Framing der JA werden aber alle Vorfälle mit gewalttätigen Ausschreitungen gleichgesetzt und es entsteht der Anschein, als seien migrantisierte Menschen für alle Auseinandersetzung in Freibädern verantwortlich. So wird im „Randalemelder-Trailer“ eingangs ein Video aus dem Neuköllner Columbiabad in Berlin gezeigt, in dem junge migrantisierte Männer sich herumstoßen. Dieser Trailer soll das rassistische Narrativ aktivieren, welches dann von den Zuschauer*innen auf alle anderen Meldungen übertragen werden soll – unabhängig ihres tatsächlichen Inhaltes. In einem anderen Video, in dem Matthias Helferich und Felix Cassel den „Randalemelder“ bewerben, werden z.B. zwei Schlagzeilen gezeigt und suggeriert, die Vorfälle seien „diesen Monat“ geschehen – was sogar stimmt, nur handelt es sich um den Juli 2019. Geht man den „Meldungen“ auf der Seite ernsthaft nach, finden sich zum Beispiel ein Fall aus dem Jahr 2012. Hier schlug ein Unbekannter nachts irgendwo in der bayrischen Provinz mit einem Stein gegen eine Freibadtür. Mehrere der als Quellen verlinkten Artikel berichten über Fälle nächtlichen Vandalismus durch Unbekannte. In anderen geht es um ganz alltägliche Streitigkeiten. Die meisten Meldungen sind aus den letzten 4 Jahren, die älteste Schlagzeile ist 10 Jahre alt.

Auf der interaktiven Karte der Seite sollen die so zusammengekommen 34 Fälle von „Randale“ eindrucksvoll wirken. Bedenkt man aber, dass es in Deutschland trotz Bädersterbens immer noch rund 3.000 Frei- und Naturbäder gibt, die im Sommer fast jeden Tag geöffnet haben und die gesammelten Fälle sich auf die letzten 10 Jahre beziehen, zeigt sich, dass es sich bei diesem Projekt um nichts anderes als angstschürendes Agenda-Setting mit rassistischem Framing – und damit um bewusste rechtspopulistische Propaganda handelt.

Agenda Setting bezeichnet das mediale Platzieren von Themen im öffentlichen Bewusstsein. Durch Framing, das „rahmen“ dieser Themen, werden bestimmte Aspekte betont, während andere in den Hintergrund treten. (dp)

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