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Internationaler Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung

Der Artikel wurde erstmals am 23.08.2022 auf der neuen Seite der mbr Köln veröffentlicht.

Die UNESCO erklärte im Jahr 1998 den 23. August zum Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung. Schon vor seiner offiziellen Anerkennung wurde der Tag an verschiedenen Orten, etwa in Haiti, als Gedenktag etabliert.

Der Tag wurde nicht zufällig gewählt. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 revoltierten Sklav*innen in Saint-Domingue, einer französischen Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Haiti. Inspiriert wurden sie von den Idealen der gleichzeitig stattfindenden Französischen Revolution. Der Aufstand führte 1804 zur Gründung einer unabhängigen Republik, die den heutigen Namen Haiti erhielt. Haiti war der erste unabhängige Staat in Lateinamerika und der erste, der durch ehemalige Sklav*innen geformt wurde. Losgelöst vom Aufstand in Saint-Domingue gab es immer wieder Widerstand von Sklav*innen. Dieser zeigte sich beispielsweise in gewaltsamer Gegenwehr, Flucht, Formen der Arbeitsverweigerung oder Ungehorsam.

Sklaverei stellt ein Herrschaftsverhältnis dar, bei dem Menschen als Eigentum von anderen Menschen angesehen und auch so behandelt werden. Nach den Schätzungen der UNESCO sind allein im transatlantischen Sklavenhandel zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert um die 17 Millionen Menschen aus Afrika versklavt worden.

Der Sklav*innenhandel wurde 1807 in Großbritannien verboten. In den USA wurde die Sklaverei 1865 nach dem Sezessionskrieg für das gesamte Land für verfassungswidrig erklärt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts schafften alle größeren Sklavenhalter*innennationen die Sklaverei ab, wobei nicht selten eher ökonomische als moralische Gründe den Ausschlag gaben. Die Abschaffung der Sklaverei wurde letzten Endes mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) als internationale Norm völkerrechtlich festgelegt.

Die Sklaverei wurde zu unterschiedlichen Zeiten und aus unterschiedlichen Gründen und Motiven abgeschafft. Auch nach ihrer Abschaffung sind noch zahlreiche Spuren vorhanden, die bis in die heutige Zeit und weit darüber hinaus reichen. Die Konsequenzen der Sklaverei sind nach wie vor spürbar.

Wie Tupoka Ogette in ihrem Buch „exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen“ beschreibt ist „[d]ie Entstehungsgeschichte des modernen Rassismus […] eng verknüpft mit der Maafa, die von der Wende zum 15. Jahrhundert bis heute wirkmächtig ist.“ (2020, S. 33). Der Begriff Maafa kann frei als Katastrophe, schreckliche Begebenheit oder große Tragödie übersetzt werden. In dem Begriff sind unter anderem die Verbrechen der Sklaverei sowie des Kolonialismus und des Imperialismus inbegriffen. Weiter heißt es bei Ogette (2020, S. 33 f.): „Die Europäer waren nicht zu Sklavenhändlern geworden, weil sie Rassisten waren. Andersherum wird ein Schuh draus. Sie wurden Rassisten, um Menschen für ihren eigenen Profit versklaven zu können. […] Afrikaner*innen wurden zu Handelsware. Sie wurden zu Dingen, die man kauft und verkauft, hinterlässt, verschenkt, ausleiht oder erbt. Und dies war gesetzlich verankert. Sklaverei etablierte sich als Teil des ökonomischen und politischen Systems und somit als Grundlage für den europäischen Wohlstand.“

Die Zitate stammen aus:

Ogette, Tupoka (2020): exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen. München: UNRAST Verlag.

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