1. Juli – Tag gegen antimuslimischen Rassismus

Der 1. Juli ist „Tag gegen antimuslimischen Rassismus“.
Am 1. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet, als sie nach einer Zeugenaussage das Gebäude verlassen wollte. Der Mord an der schwangeren, 32-jährigen Pharmazeutin aus Ägypten wurde auch international zur Zäsur dafür, welche Folgen Islam- und Muslimfeindlichkeit haben können. Seitdem steht der 1. Juli als Tag gegen antimuslimischen Rassismus für entschiedenes Eintreten für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und offene Gesellschaft.
„In den sozialen Medien, auf der Straße, im Alltag oder in Talkrunden – überall sprechen sich Menschen gegen Rassismus aus. Man könnte fast meinen: Alle seien sich einig, dass Rassismus in unserer Gesellschaft keinen Platz hat“, so leitet die Allianz gegen Hass auf ihrer Website die Hinweise auf die von ihr initiierten Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus ein, um fortzufahren: „Doch die Realität sieht anders aus.“
Dafür gibt es viele Beispiele. Für das Jahr 2020 hat das Bundesinnenministerium (BMI) bundesweit 1.026 Übergriffe auf Muslim*innen und 103 Angriffe auf muslimische Einrichtungen erfasst. Dabei sind noch lange nicht die vielen Ressentiments erfasst, denen Muslim*innen in ihrem Alltag in Deutschland ausgesetzt sind.
Vor wenigen Tagen wurde die neue „Mitte“-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht. Etliche der in der Studie Befragten teilen einen auf soziale Gruppen bezogenen Antipluralismus, der über die Abwertung als „fremd“ markierter Gruppen erfasst wurde. Dabei gibt es insbesondere Antipathien gegenüber den Gruppen Sinti*zze und Rom*nja“ (28,9 %), Muslim*innen (21,5 %) und Geflüchteten (19 %). Die Analysen ergeben zudem bei nicht wenigen eine autoritäre Law-and-Order-Haltung. So hält beispielsweise rund jede_r Zehnte die Bundesrepublik „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß [für] überfremdet“ und will Muslim*innen die Zuwanderung untersagen.
So sind Initiativen und Veranstaltungen, die sich mit dem Thema antimuslimischer Rassismus auseinandersetzen weiterhin notwendig.

Zum Aktions- und Gedenktag am 01.07.2021, dem Tag gegen antimuslimischen Rassismus, haben sich verschiedene Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen zusammengeschlossen, um ein Zeichen gegen antimuslimischen Rassismus zu setzen:

„Wir sind ein Zusammenschluss von: AK Muslimische Flüchtlingsarbeit in Köln, Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e. V., Die Streber AG, IGMG Regionalverband e.V., Integrationshaus e.V., Miteinander e.V., Polizeiseelsorge Köln. Als internationaler Tag gegen antimuslimischen Rassismus steht der 1. Juli für entschiedenes Eintreten für eine solidarische, demokratische, freiheitliche und multireligiöse Gesellschaft. Unter dem #keinplatzfürhass und #diestanzierdich gibt es unterschiedliche Aktivitäten im Kölner (digitalen) Raum:

01.07.2021, 15:00 – 17:00 Uhr: Infostand der Polizei NRW Köln, Kontaktbeamte muslimische Institutionen, zum Thema antimuslimischer Rassismus an der Kalker Post

01.07.2021, 18:30 – 20:00 Uhr: Live-Stream: Talkrunde: #Distanziert Euch! Antimuslimischer Rassismus in unserer Gesellschaft. Mit: Birsen Ürek, Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V., Saloua Mohammed, Aktivistin, Julia Hüngsberg, Kontaktbeamtin für muslimische Institutionen, Polizei NRW Köln und Yasemin Yıldırım , Mitbegründerin von ZJ. Zusammenhalt Jetzt!
Hier zum Livestream.

02.07.2021, 14:00 Uhr: Live-Stream der Freitagspredigt aus der Safaa Moschee in Köln-Ostheim mit Mouloud Haji
Hier zum Livestream.

Die Kommunen im Regierungsbezirk Köln, die sich an dem Landesprogramm „NRWeltoffen“ beteiligen (in Köln koordiniert durch die ibs) organisieren am 29. September 2021 eine Online-Tagung zum Thema „Antimuslimischer Rassismus. Erscheinungsformen, Hintergründe und Gegenstrategien vor Ort“. Weitere Infos finden Sie im aktuellen Newsletter der ibs auf Seite 12.

 

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